Hallo und willkommen zurück.
Die Vorlesungen im Fach “Filmgeschichte” ziehen ihre Kreise, eine interessante Entwicklung in der ersten 20 Jahren der Kinematographie wird deutlich und die ersten wirklich sehr extremen Filme entstehen.
David W. Griffith drehte im Jahre 1915 einen ziemlich krassen Film, “Birth of a Nation”. Vielen ist dieser Film sicherlich bekannt, zumindest ausschnittsweise, aus dem Film “Forrest Gump”. Erinnert sich jemand an die Szene am Anfang des Films, wo er darüber erzählt, wie sein Großvater den Ku-Klux-Klan mitbegründete? Man sieht Tom Hanks auf einem Pferd sitzen, komplett in weiß gehüllt und vor einer Herde Ku-Klux-Klan Anhänger reiten. Diese Szene ist aus “Birth of a Nation”, nur das Hanks halt noch einkopiert wurde.
Interessant an diesem Film ist sein ziemlich umfangreicher Aufwand der Produktion. Wir reden hier von knapp 18000 Statisten, 3000 Pferden und ziemlich ausgefeilter Bildkompositionen und das Verknüpfen von Handlungssträngen. In den Jahren zuvor war sowas nicht wirklich üblich, Kino wurde als “Kino der Attraktionen” bezeichnet, weil das Vorführen von Filmen lediglich auf Jahrmärkten passierte. Auch waren der inhaltliche Anspruch der Filme weniger erwähnenswert. Es ging hauptsächlich um das Beobachten und das Zeigen, nicht um das Narrative, sprich dem Erzählen einer Handlung.
Wer sich für diese ersten Filme interessiert, dem lege ich folgende Filme sehr ans Herz, um einfach mal einen Einblick in die Anfänge zu bekommen.

“Arbeiter verlassen die Fabrik” (1894) von den Brüder Lumière
“Ankunft des Zuges im Bahnhof von La Ciotat” (1895) von den Brüder Lumière
“Abriss einer Mauer” (1895)
“An interesting story” (1905)
“The Great Train Robbery” (1903) von Edwin S. Porter

1916 kam Griffith dann mit seinem 3 Stunden Epos “Intolerance” daher. Das ist ein wahnsinniger Wandel zum Bisherigen.
Der Film hat damals 2 Millionen $ gekostet, die Griffith zum Großteil selbst finanziert hat und sich mit diesem Film auch selber in den Ruin getrieben hat.
Erzählt werden 4 Geschichten zu unterschiedlichen Zeitepochen (Babylonischer Krieg, Passion Christi, Bartholomäusnacht, Vorkriegszeit 1914), in der die Menschen intolerant miteinander umgehen.
Was interessant ist an diesem Film, sind die immensen Weiterentwicklungen im technischen und dramaturgischen Bereich. Griffith begann schon zu dieser Zeit den Schnitt von Bildern als gestalterisches Mittel zu nutzen, um die Handlung voranzutreiben, als auch Emotionen hervor zu rufen. Das mag für viele nun ziemlich langweilig klingen. Aber wenn man bedenkt, dass der Film gerade mal 20 Jahre alt ist und die vorhergehenden Werke noch sehr einfach gestrickt sind und teilweise nur aus einer Einstellung bestehen, ist das ein Fortschritt.
Der Film mit seinen 3 Stunden Länge zerrt jedoch extrem an der Kondition, vor allem weil der Film logischerweise in Schwarz-Weiß und stumm ist.

Alles in Allem finde ich es wahnsinnig interessant, die schnelle Entwicklung in den ersten Jahren des Films zu beobachten. Auf was für geniale Einfälle die Leute damals schon gekommen sind, was für uns heutzutage einfach selbstverständlich ist. Sie kopierten zum Beispiel Bilder doppelt und ineinander, um Splitscreens, Träume und Übergänge zu simulieren.

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, sich solche Filme anzuschauen. Für viele ist Film lediglich ein Unterhaltungsmedium, und sie beschäftigen sich nicht mit der Technik und der Geschichte dahinter. Man geht ins Kino, schaut sich einen Film an, lässt sich unterhalten und vergisst es am Ende wieder. Für mich sind solche Entwicklungen eine sehr interessante Sache, die sich wirklich lohnt, wenn man ein Faible dafür hat.

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