Hallo rund willkommen zum zweiten Teil der Serie “Fazit des ersten Semesters an der HFF”, heute mit dem Thema “Dramaturgie”.

Aber erst einmal möchte ich noch kurz etwas hinzufügen, was ich im ersten Teil schlicht unterschlagen habe, aber nun noch hinzufügen werde; nämlich ein Fazit.

Im Großen und Ganzen kann man aber, auch wenn die Vorlesung teilweise etwas dröge sind und auch dazu verleiten, sich anderweitig zu beschäftigen (Zeitung lesen, Emails sortieren oder Schlafen), eine ganze Menge interessantes Wissen aus den Vorlesungen und Seminaren mitnehmen. Ebenso empfinde ich es als wesentliche Wissensgrundlage sich mit der geschichtlichen Entwicklung dieses Mediums auszukennen und einfach auch die Anfänge des bewegten Bildes einmal gesehen zu haben. Schon alleine aus diesem Grund empfehle ich Jedem, diesen Kurs zu belegen oder ein vernünftiges Buch zu lesen, welches dieses Thema behandelt (und ich meine damit nicht nur James Monacos’ “Film verstehen”)

So, that having been said, wenden wir uns nun der Dramaturgie zu.

Auch in diesem Falle habe ich mich bereits im Vorfeld bereits damit beschäftigt gehabt (Syd Fields “Drehbuchschreiben für Film und Fernsehen” ist auch an der HFF eine bekannte und gern genannte Quelle).
Unsere Dozentin mag zwar auf den ersten Blick sehr anstrengend wirken, aber sie hat was auf dem Kasten. Dies ist eines dieser Seminare, die man zwar auf der einen Seite irgendwie verflucht, weil man mit der Dozentin nicht zurecht kommt, aber auf der anderen Seite auch die größte Wissensentwicklung aufweisen kann.

Dramaturgie ist bei den Produktionsstudenten ein Pflichtseminar und zieht sich komplett durch alle 4 Jahre. Wir haben nun im ersten Semester wesentliche Grundkenntnisse erlangt und uns einen Überblick über fundamentale Dinge erarbeitet.
Dabei sieht es so aus, dass jede Vorlesung ein Referat von zwei Studenten erarbeitet wird.
Dieses Referat wird im Vorfeld mit der Dozentin besprochen, es werden Änderungen ausgearbeitet und dann das Referat im kommunikativen Dialog mit dem Seminar vorgetragen.
Das heißt wir setzen uns vorne hin, erzählen unsere Dinge. Und dann wird darüber gesprochen, diskutiert, erörtert und weiter ausgeführt. Am Anfang war ich etwas verwirrt über die Art und Weise, da sämtliche Aussagen und Theorien von der Dozentin immer und immer wieder wiederholt werden.
Aber dadurch beginnt man irgendwann, sich neue Gedanken über ein Thema zu machen und versucht auch hinter gewisse Fassaden zu schauen.
Das Referat sollte schon den kompletten Seminarzeitraum von knapp 4 Stunden füllen, was sich anfangs als sehr viel anhört. Da aber sehr viel diskutiert wird und die Dozentin auch immer wieder gerne das Wort ergreift, verteilt sich das sehr gut.
Dem Referat sollte ein Handout von ca. 15 Seiten beiliegen, um den Kommilitonen einen Überblick über das Besprochene zu geben.

Folgende Themen haben wir in diesem Semester erarbeitet:

1 - Das kanonische Erzähl-Schema - Die grundlegende Struktur

2 - Merkmale der populären Filmdramaturgie am Beispiel des Films “North by Northwest” (Der unsichtbare Dritte) von Alfred Hitchcock

3 - Die offene Form - Dedramatisierung der Fabel am Beispiel des Films “Letztes Jahr in Marienbad” von Alain Resnais

4 - Drehbuchanalyse am Beispiel “Der Rote Kakadu”

5 - Konkurrierende Erzählmuster - Zum Verhältnis von Narration und Attraktion am Beispiel des Films “Jurassic Park” von Steven Spielberg

6 - Der Stoffentwicklungsprozess - Aufbau und Form eines Exposés und eines Treatments am Beispiel der Filme “Lola rennt” und “Dresden”

Man sieht schon sehr gut den grundlegenden Aufbau des Seminars.
Wichtig ist vorab einmal zu wissen, wie die Dramaturgie in einem Film funktioniert und welche Form die Üblichste ist. Diese Struktur habe ich bereits in meinem Bericht zur Filmanalyse am Beispiel von “Das Experiment” für meine Bewerbung beschrieben.
Da dies ein doch etwas umfangreicherer Einblick in die Materie ist, werde ich darauf hier nicht weiter eingehen und lege jedem, der sich dafür interessiert, eines der vielen Bücher nahe.

Als nächstes habe ich in meinem Referat “Merkmale der populären Filmdramaturgie einmal versucht alle Merkmale und Eigenschaften am Film aufzuzeigen und wie sich der Entwicklung der Geschichte dienen. Dabei ging es gemeinsam mit meiner Kommilitonin sowohl auf die Exposition der Geschichte, die Charaktere und deren Darstellung als auch auf die “Maisfeld-Sequenz” im Film ein.

Die offene Form war dann ein ziemlicher Einschnitt, weil sie unabhängig von Raum, Zeit und Handlung steht. Der Film “Letztes Jahr in Marienbad” ist optisch schon sehr interessant, aber zeichnet sich auch dadurch aus, dass der Zuschauer keinerlei Überblick über den Ort, die Zeit und auch die Handlung bekommt. Ein durchaus interessantes Thema, welches komplett von der Theorie des ersten Seminars abwich und aufgezeigt hat, dass es nicht immer nur nach Schema A-B-C gehen muss, sondern auch durchaus die Möglichkeit besteht A-C-B zu gehen.

Bei der Drehbuchanalyse lasen wir im Vorfeld das Drehbuch zu dem Film “der rote Kakadu” von versuchten anhand dessen, wichtige dramaturgische Merkmale auszuarbeiten. Welche Charaktere, welche Entwicklungen, wo liegen welche markanten und wichtigen Punkte innerhalb der Geschichte und so weiter.

Das Seminar zum Thema “konkurrierende Erzählmuster” beschäftigte sich mit der Frage, in wieweit Narration und Attraktion bei solchen Filme auf einer Ebene liegen. Dazu sahen wir uns “Jurassic Park” an und legten dabei besonderen Wert auf die Entwicklungen der Einzelcharaktere und deren Einfluss auf die Handlung. Dabei fiel uns auf, was wahrscheinlich jedem schon beim Film auffiel, dass die Attraktion, in diesem Falle die Dinosaurier, doch einen wesentlich vordergründigeren Einfluss auf die Handlung haben, als es die Charaktere tun. Das Handeln des Einzelnen steht im kompletten Gegensatz zum “normalen Handeln” und fördert damit letztendlich nur die Attraktion.

Das letzte Seminar zeigte dann noch einmal die Unterschiede und Funktionen von Exposés und Treatments auf. Ebenso lasen wir eben solche und versuchten anhand dessen heraus zu arbeiten, in wie weit gewisse Eigenschaften wie Charakterentwicklung, Geschichtsentwicklung und so weiter schon Einfluss und Notwendigkeit haben.

Alles in Allem war es zwar ein sehr mühsames und langes Seminar, aber hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht und mir auch die Augen geöffnet. Ich habe mich seitdem immer häufiger dabei erwischt beim Film gucken darauf zu achten, wie sich die Geschichte entwickelt und mit welchen Merkmalen gearbeitet wird.

Ein Seminar, welches ich jedem nur ans Herz legen kann (und auch muss, da es Pflicht ist!! *hihi*).
Man hat zwar am Ende des Semesters verdammt viele Zettel in seinem Hefter, aber dafür auch viel interessantes Wissen in seinem Kopf.

So, da wars für heute. Beim nächsten Mal widme ich mich dem Fach “Produktionskunde”. Da wird der Artikel etwas kürzer ausfallen, da wir das nicht so oft hatten.
Außerdem möchte ich schon darauf hinweisen, dass ich ab Donnerstag meine erste Filmübung drehe und deshalb nicht so häufig in der nächsten Woche bloggen werde.
Aber ein oder zwei Artikel werde ich schon noch hinbekommen.

In diesem Sinne, viel Spaß und bis bald
Paul

PS: Ich möchte gerade noch anmerken, dass die 4 Stunden Seminar OHNE die Filmsichtung ist. Heißt, wir haben uns die Filme im Vorfeld im Kino angeschaut (bei Jurassic Park besonders geil, weil ich ihn damals nicht im Kino sehen durfte) und haben dann im Seminar 4 Stunden gearbeitet!

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Comments

LnddMiles on 22 Juli, 2009 at 05:31 #

Pretty cool post. I just stumbled upon your blog and wanted to say
that I have really liked reading your blog posts. Anyway
I’ll be subscribing to your blog and I hope you post again soon!


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