Es ist zwar schon ne Weile her, aber besser später als nie.
Wir haben unseren ersten Film an der HFF gedreht, unsere so genannte F1. Das ist eine Dokumentarfilmübung. Wir bekommen von der HFF ein Budget von 2000€ und können damit einen Dokumentarfilm drehen. Thema ist uns überlassen. Es gibt nur ein paar Rahmenbedingungen. So dürfen wir nur 5 Rollen á 122 Meter 16mm Material verschiessen, was am Ende knapp 50 Minuten Rohmaterial entspricht.
Außerdem muss das Thema in Deutschland umgesetzt werden und wir haben maximal 5 Drehtage zur Verfügung.
Von dem Geld, was wir von der HFF bekommen, müssen wir unser Filmmaterial, die Entwicklung, die so genannte Nummerierung des Materials und sonst anfallende Kosten zahlen. Technik bekommen wir von der HFF. Alles was wir sonst noch separat benötigen, müssen wir selbst zahlen oder halt im Budget unterbringen.
Nachdem wir von Anfang des Jahres an doch einige Probleme hatten, was die F1 anging, hat sich alles doch zum sehr entspannten entwickelt.
Unsere ursprüngliche Regisseurin sprang vom Projekt ab und so standen mein Kameramann Guido und ich nun da. Ich musste das Projekt ja nicht machen, da für mich lediglich der Vordiplom-Film und der Diplomfilm wichtig sind. Alles andere ist nur Übung für mich und nicht verpflichtend.
Guido und ich suchten uns also einen neuen Regisseur und fanden ihm in dem Montagestudenten Philipp, der bereits in Prag studierte.
Zusammen suchten wir nach Themen. Nach etlichem Hin und Her (wir überlegten über den Roten-Platz-Flieger Matthias Rust zu drehen, über die Duft-Expertin Sissel Tolaas oder eine Clownschule) kam irgendwie die Idee, einen Film über zwei Wrestler zu machen, die in Berlin eine Wrestlingschule betreiben.
Nachdem wir uns die Jungs und deren Leben beim Training angeschaut haben, entschieden wir uns dafür und legten los. Einer der großen Vorteile, auf den ich als Produktioner sehr großen Einfluss hatte, war die Gebundenheit an Berlin. Dadurch, dass ich von vornherein an der Ideenfindung beteiligt war, war es mir möglich Einfluss auf das Thema zu nehmen und unterstützend zur Seite zu stehen.
Unser Thema war nun also in Berlin angesiedelt. Lediglich ein Tag in Hamburg bei einem Kampf war geplant. Aber ansonsten ersparten wir uns dadurch lästige Übernachtungskosten im “Ausland”.
Wir erstellten also ein Projektkonzept, um unsere Dozenten damit um den Finger zu wickeln, aber auch um an alle Beteiligten etwas Aushändigen zu können.
Ein Portrait über Zwei, die ihren Traum leben.
Ein Film über das Wrestling in Deutschland.
Wir hatten also ein recht abgefahrenes Thema und einen Titel, der einfach mal in unseren Augen untypisch für die HFF ist. Immer wieder hört man von Filmen wie “Brüder” oder “Schmerz”, die in unseren Augen einfach nur von einer Filmhochschule kommen können.
Uns war es wichtig einfach mal ein wenig auf die Kacke zu hauen und einen interessanten Dokumentarfilm zu machen.
So begann ich also die Planung und alles lief recht gut. Unser erster Drehtag in einer Schulsporthalle, in der wir das Training filmten, lief super. Wir mussten lediglich dem Hausmeister der Schule ein wenig Honig um die Backe schmieren (eine Sache, die ich sehr gut kann, wenn ich gut drauf bin) und er lies uns ohne Probleme den Zugang gewähren.
Interessant wurde der Kampf in Hamburg, zu dem ich gleich noch meinen Kumpel Max mitnahm. Er wurde einfach als Produktions-Assistent eingetaktet und erledigte alle möglichen Aufnahmen.
Da wir ja ein dramaturgisches Kernelement des Filmes während des Kampfes drehen wollten, mussten wir uns im Vorfeld etwas einfallen lassen. Der Kampf stellt in unserem Film lediglich einen zweitrangigen Teil dar. Wir wollten aber durch eine Zeitlupen-Aufnahme den Kampf und die Brutalität die dem einhergeht, visuell aus dem Rest des Filmes heraus schälen.
Da Zeitlupen-Aufnahmen mit 100 Bildern pro Sekunde und mehr einfach sehr materialintensiv sind, entschlossen wir uns diesen Teil mit der RED zu drehen. 2K, 120 fps.
Hierfür mussten wir schon eine gehörige Portion Licht mitbringen, damit wir überhaupt was mit der Kamera sahen. Wir bauten also einen 2,5kW Scheinwerfer auf einer örtlichen Balustrade auf und positionierten uns dort auch gleich mit unserer RED.
Geplant war, dass wir den kompletten Kampf mit der RED aufzeichnen, während mit der 16mm Kamera der Gang in den Ring gezeigt wird und nach dem Kampf auch wieder zurück in die Umkleide gegangen wird. Ein ziemlich eng bemessenes Zeitfenster, da der Kameramann halt von unten auf den Balkon rennen musste.
Vor Ort war auch gleich noch ein DVD Team dabei, welches mit 5 HDV Kameras einen Livemitschnitt des Kampfes machen wollte und sich quasi in unserem Licht sonnte.
Es gab einige Reibereien, da ja die DVD Produktion vorgeht, wir denen aber das erforderliche Licht zur Verfügung stellten (man siehe das Bild!). Aber auch konnte ich mit meiner großen Fresse gut kontern und den Verantwortlichen einfach zeigen, wer hier den Größeren hat.
Ich meine, es ist schon lustig unsere fette RED mit einer fetten Teleoptio drauf zu sehen und daneben ein HDV Team mit kleinen Kameras zu haben, die denken, sie wären was besseres.
Wie Max es doch so schön formulierte:
Wenn die Kameras eine Allegorie auf unsere Schwänze und ihre Länge wären,
dann hätten Die nur wenig Spaß und wir würden immer ohnmächtig werden.
Der Dreh in Hamburg war zwar doch sehr anstrengend und lang, aber wir haben alles im Kasten, was wir brauchten. Wir waren sehr froh, dass alles so klappte.
Anschließend brauchten wir noch ein paar Interview-Aufnahmen mit dem Vater der beiden Wrestler und wir filmten noch mit der 16mm auf der Motorhaube eines Kleinwagens auf dem Berliner Stadtring.
Dazu montierten wir die Kamera über ein Saugstativ auf der Motorhaube und fuhren mit 50Km/h über die Autobahn. Da fiel mir zum ersten Mal auf, wie langsam das eigentlich ist. Absolut krass und vor allem sehr lustig die vorbeiziehenden Autofahrer zu beobachten, die immer wieder einen Blick rüber geworfen haben.
Später bei der Mustersichtung auf der großen Leinwand ist uns dann erstmal aufgefallen, wie geil diese Aufnahmen eigentlich geworden sind und was für eine wunderbare visuelle Spielerei wir eigentlich gezaubert haben.
Alles in Allem bin ich persönlich sehr zufrieden mit dem Ablauf der Produktion. Klar gab es hin und wieder kleine Auseinandersetzungen, hauptsächlich zwischen der Produktion und dem Kameramann, aber am Ende zählt das Produkt.
Wir sind immer noch im Schnitt. Vor knapp 2 Wochen gab es eine Rohschnitt-Sichtung, zu der ich nicht gegangen bin, weil ich die fertigen Filme sehen möchte. Einen Zwischenstand von 30 Minuten kannte ich schon und habe auch noch ein paar Ideen mit einfließen lassen.
Absolut geil gezeichnete Animationen für das Intro sind auch gerade in der Mache. Ich bin gespannt, wie der Film am Ende aussehen wird. Bei der Rohschnitt-Sichtung kam er schon ganz gut an, es gab nur wenig Kritik, die aber auch sehr fehl am Platz zu sein schien.
Zwischenzeitlich hat sich auch der Titel bereits geändert und heißt nun “Point of no Return”. Es ging ein große Welle von Ideen durch unseren F1 Verteiler.
Die Idee war eine Anspielung an die guten alten Terrence Hill und Bud Spencer Filme zu machen und hatten die Idee, den Film “Vier Fäuste tun haun” zu nennen.
Dann festigte sich der Titel “Dark Side Halleluja” und wurde erst kurz vorm Ende in “Point of no Return” geändert. Angeblich soll der Titel super zu dem Film passen, laut Philipp. Ich bin gespannt.
Mitte Juli sind dann endlich die Filmpremieren und im September wird es wieder die üblichen öffentlichen Präsentationen im Babylon geben.
Ich hoffe, den Einen oder Anderen spätestens dort zu sehen.
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