Hallo und “grüzie”.
Nachdem ja in den letzten Tagen etliche neue Leser den Weg auf diese Seiten gefunden haben und ich einige Anfragen bezüglich meiner Bewerbung bekommen habe, werde ich den nun längst überfälligen Beitrag hier endlich einmal ausführen.
Meine Bewerbung bezog sich natürlich lediglich auf den Produktions-Studiengang, wie es in den anderen Studiengängen aussieht, kann ich nicht wirklich ausführlich sagen.
Ein Blick auf die HFF Seite und man kann sich anlesen, was für die Bewerbung nötig ist.
Die Bewerbungszeit ist im kompletten Januar des jeweiligen Jahres, sprich ihr müsstet bis spätestens 30. Januar 2009 eure Bewerbung eingereicht haben.
Bei mir war es nötig neben dem ganzen obligatorischen Zeug wie Lebenslauf, Zeugnisse und Nachweise über diverse Praktika, zwei Aufgaben zu erfüllen.
Dies war zum ersten ein Konzept über ein Filmprojekt, inklusive einer Grobkalkulation, einer Projektbeschreibung und einem Konzept zur Marketing-Strategie.
Das Zweite war eine dramaturgisch-wissenschaftliche Analyse eines Films, freier Wahl.
Hört sich an sich nicht viel an, wenn man bedenkt, was an anderen Unis oder auch in den anderen Studiengängen verlangt wird.
Das Konzept gestaltete sich für mich als sehr einfach, da ich einige Monate zuvor erst ein solches für ein Projekt ausgearbeitet hatte. Ich habe mich, nach Absprache mit der HFF, für ein Live-Projekt entschieden, und habe eine auf 10 Seiten gekürzte Version des Konzepts für die Produktion der Live-DVD “Auf der Reise von 1997 bis 2007″ von der Berliner Punkrock-Band DIE ELENDEN entschieden.
Ich habe ja Anfang 2007 das Abschlusskonzert der Band im Berliner Kesselhaus produziert und betreut und daraus eine Live-DVD erstellt. Dieses damals für Sponsoren-Aquise erarbeitete Konzept, habe ich ein wenig gekürzt und ein wenig umformuliert, und dieses dann, zusammen mit einer ausgedehnten Kalkulation und der fertigen DVD eingesandt.
Was steht jetzt in einem solchen Konzept am besten drin?
Tja, als erstes solltet ihr schauen, dass ihr euer Projektziel ausführlich und detailiert formuliert.
Unsere Idee sah damals ungefähr so aus:
Es gilt ein Livekonzert für bis zu 1300 Fans als filmisches Gesamtprojekt zu erfassen.
Dieses soll zu großem Teil aus eigenen Mitteln gestemmt und realisiert werden. Mit
einem Equipment von 12 Kameras, bestehend unter anderem aus sieben Panasonic
DVX, einer Steadycam und einem Kran, einem Dolly und einem Achtport-
Liveschnittsystem bekommt die Band und deren Fans ein Abschiedsgeschenk der
Spitzenklasse. Und wäre dies nicht genug, können alle diejenigen, die es nicht bis ins
Kesselhaus schaffen das gesamte Konzert über das Internet als Videostream verfolgen.
In dem Projektziel bin ich außerdem kurz auf die Band, die Gründe für den Abschluss der Band, aber auch das Finanzierungskonzept eingegangen.
Für die Bewerbung an der HFF habe ich das ursprüngliche Finanzierungskonzept ein wenig überarbeitet und den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst.
Außerdem war es notwendig Änderungen in der Kalkulation vorzunehmen, da ich zum damaligen Produktionstermin keine Beistellungen (Sponsoring oder Leihgaben von Verleihern und Firmen) mit kalkuliert hatte und somit ein verfälschsten Finanzbild bekommen habe.
Weiter habe ich in dem Konzept einen kurzen Einblick in den Drehort, und die Aufteilung der Einzelkameras gegeben.
Angaben zur Aufnahmen-Technik, also mit welchen Kameras wir das ganze damals aufgezeichnet haben, als auch mit welcher Technik der Live-Schnitt und die letztendliche Übertragung ins Internet zu Bunch.tv stattgefunden hat, wurden im Kapitel “Die Aufnahme-Technik” kurz beschrieben.
Anschließend habe ich kurze detailierte Angaben zur DVD an sich gemacht, mit welchen Features diese ausgestattet ist und auch werden sollte. Uns war es damals sehr wichtig, diese DVD für die Fans der Band zu machen und Dinge hinein zu bringen, die die Fans mögen. Aus diesem Grund haben wir schon sehr frühzeitig begonnen, Ideen und Wünsche der Fans einzuholen und diese dann auch direkt mit umzusetzen. Solche kleinen Details sollten heir genau so auftauchen, wie die technischen Spezifikationen. Die HFF ist stets bemüht, Leute in das Studium aufzunehmen, die zwar auf eine Basis zurück greifen können, aber gucken auch, dass die Studenten noch nicht “zu viel” wissen.
Eine gute Verteilung der Leute und des Wissens in meinem Studiengang ist durchaus nötig, damit Studenten, die in dem einen Bereich schon ein gutes Wissen haben, die Studenten, die in diesem Bereich weniger Erfahrung haben mitziehen können. Sprich es ist nicht nötig, dass ihr alles wisst, aber in der mündlichen und schriftlichen Bewerbung später wird schon geschaut, wo du vom Wissensstand her einzuordnen bist. Also fangt hier nicht an, zu sehr am Rad zu drehen, was ihr am Ende in der Vorstellung nicht erfüllen könnt und damit schnell als “Schwindler” darstehen könnt.
Seid ehrlich zu euch selbst und steht dazu, was ihr könnt und was ihr nicht könnt. Dies ist ganz besonders wichtig in der mündlichen Prüfung, wenn die Leute euch echt aufs Zahnfleisch fühlen.
Weiter ging es in meinem Konzept mit dem “Marketing & Sponsoring”.
Hier ging ich ausführlich auf die Sponsoren ein, die wir bereits an Bord hatten, und was unsere Idee der Auswertung war. Warum haben wir uns entschlossen, dass Projekt über Bunch.tv ins Internet zu übertragen, warum haben wir es live geschnitten und auf der Bühne noch einmal auf eine Leinwand geworfen, welche Zielgruppe wollten wir erreichen.
Auch spielten hier Informationen zur vorhergehenden Ankündigung eine große Rolle, mit welchen Mitteln wir das Konzert promotet haben.
In einem solchen Promotion-Konzept (es war ja ursprünglich für die Aquise von Sponsoren gedacht) ist es total wichtig, den potenziellen Sponsoren die Möglichkeiten aufzuzeigen, mit denen wir ihr Unternehmen oder ihr Produktion in den Mittelpunkt stellen können und damit eine Werbewirkung erzielen können. Egal ob es die Integration von Logos ist, das Aufstellen von Blow-Ups oder die Integration eines Promotion-Trailers vor dem Zugriff auf den Livestream. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt und es ist wichtig, den Unternehmen diese aufzuzeigen und auch über Alternativen nachzudenken. Sobald man schon vorab gute Produkte und/oder Unternehmen an Bord hat, kann dies durchaus positive Auswirkungen auf Andere haben. Frei nach dem Motto “wenn der dabei ist, kann das nichts schlechtes sein”, entsteht eine Art Sogwirkung. Deshalb versucht schon vorab wichtige Leute an Bord zu holen, bevor ihr das Konzept offiziell veröffentlicht, damit ihr schon auf Namen zurück greifen könnt.
Ich bin dann im Konzept noch weiter auf den Live-Schnitt und den Video-Stream eingegangen und habe einige technische und inhaltliche Details gebracht.
Mein Problem war, dass das ursprüngliche Konzept knapp 22 Seiten lang war, für die Bewerbung aber 10 Seiten maximal gefordert wurden. Sprich ich musste einige Dinge rausnehmen, kürzen und umformulieren, um auf die geforderte Anzahl zu kommen.
Hier solltet ihr auf jeden Fall aufpassen, da ihr sonst ganz schnell aus dem Rennen seid, wenn ihr die Anforderungen entweder unterschreitet, als auch überschreitet. Das macht halt bei denen an der HFF schnell den Eindruck von Rebellion, worauf die anfangs keine Lust haben. Integriert euch erstmal und sobald ihr drin seid, könnt ihr den Laden von innen aufräumen *grins*
Zu dem nun schwierigsten Teil des Konzepts; der Kalkulation.
Es geht hier nicht darum schon alles zu wissen, weil dafür müsst ihr nicht mehr studieren. Ihr solltet aber allgemein ein paar Dinge wissen über das, was ihr da macht.
Da ich für die Produktion damals eine Kalkulation erstellt habe, habe ich die als Grundlage verwendet und habe versucht, die wirklich angefallenen Kosten aufzustellen. Nicht nur weil es wichtig ist, dass ihr wirklich alles notwendige mitkalkuliert, sondern auch für mich um mal zu sehen, von welchen Beträgen wir hier unte realen Umständen gesprochen hätten.
So fing ich als an, Standardpreise für Kameraleute und Cutter einzubauen, die Normalpreise für die Leihe von Equipment und die Kosten für die Erstellung der DVD mit allen damit verbundenen Kosten wie Schnitt, Soundmischung, DVD-Kopierwerk, Gema und so weiter und so fort.
Wir hatten damals für die eigentliche Produktion des Mitschnittes (also wirklich nur die Aufnahme des Konzertes und dem damit verbundenen Live-Schnitt und der Übertragung ins Internet) knapp 1300€ zur Verfügung.
Die Erstellung der DVD in einer Auflage von 500 Stück schlug danach noch einmal mit 4000€ zu Buche.
Wenn man sich nun anschaut, dass wir für das Projekt (mit Versicherung und anderen Kleinigkeiten) locker 95000€ hätten hinlegen müssen, wurde mit immer mehr klar, dass der Bereich Produktion einfach mein Ding ist. Das hieß nämlich nichts anderes, als dass ich die kompletten Kosten von 95000€ (die wirklich ziemlich real und marktnah waren!) auf kanpp 5500€ gedrückt hatte. Mit welchen Mitteln auch immer.
Die Kalkulation ist schon ein ziemlich umfangreiches Teil gewesen und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Aus diesem Grund rate ich euch, nicht zu lange mit der Ausarbeitung eurer Bewerbungsmappe zu warten.
Nachdem das dann alles geschrieben und ordentlich formattiert war, habe ich es farbig ausgedruckt und gebunden, damit die Leute an der HFF ein kleines Buch in der Hand halten können. Es geht letztendlich nicht nur um die Inhalte, sondern auch um den Auftritt. Und der ist bei den Produzenten nämlich mit das Wichtigste. Ihr verkauft euch und euer Auftreten, weniger euer Produkt. Eine ganz wichtige Sache dabei.
So, im nächsten Artikel schreibe ich ein wenig über die dramaturgisch-wissenschaftliche Filmanalyse, bei mir anhand des Films “Das Experiment” von Oliver Hirschbiegel aus dem Jahre 2000.
Bis dann.
Grüße
Paul