So, nachdem ich mich heute kurzfristig entschloss habe, mir den neuen Bond anzutun, folgen hier nun meine Eindrücke.
Ich versuche nicht zu viel preis zu geben, um euch die Vorfreude auf den Film nicht zu nehmen.
Alles in Allem ist das ein guter Bond, der mit solider Action und einem geilen Daniel Craig überzeugen kann.
Ich bin immer noch der Meinung, dass Craig eine sehr gute Wahl für James Bond war, nachdem der aalglatte Brosnan aus ihm eine Witzfigur machte.
Ich bin zwar nicht wirklich mit Bond aufgewachsen - mein erster Bond im Kino war damals “Goldeneye” - aber in der vergangenen Zeit habe ich mir doch etliche Klassiker des Franchise angetan.
Da man ja immer mit den positiven Dingen anfangen soll, gehts nun los.
Der neue Bond hat alles, was ein Bond (fast) haben muss. Einen coolen Protagonisten, eine Reise durch mindestens 5 Länder, einen Schurken, der in einer besondern Art die Weltherrschaft an sich reißen möchte, eine oder zwei bezaubernde Frauen und jede Menge Action gepaart mit coolen Onelinern.
Und nein, er bestellt keinen Wodka Martini auf die gewohnte Art, er sagt nicht seinen “Bond. James Bond” Satz und nein, es gibt keine Gimmicks.
Die Geschichte, geschrieben von Oscar Gewinner Paul Haggis, bereits verantwortlich für den genialen “Casino Royale”, hat auch diesmal seine Finger im Spiel gehabt und eine gute und solide Geschichte gezaubert.
Es geht wieder einmal um einen größenwahnsinnigen Typen, der auf seine Art und Weise die Weltherrschaft an sich reißen will.
Mittlerweile haben sich die Drehbücher um Bond ja wieder erholt und sind nicht mehr so übertrieben überzogen, wie es zu Brosnan Zeiten war.
James ist also von Rachefeldzügen getrieben und macht sich auf die verzweifelte Suche nach den Mördern seiner geliebten Vesper.
Schnell stößt er auf Dominic Greene, einen Geschäftsmann einer globalen Firma, die in den Schutz von Naturschutzgebieten investiert. Greene wird gespielt von Mathieu Amalric, welcher diesen interessant, aber nicht grandios darstellt. Er ist schon ein interessanter Widersacher, fehlt jedoch in meinen Augen die Dimensionalität und Grandiosität von Vorgängern. Da war mir Mads Mikkelsen in “Casino Royale” wesentlich lieber und auch überzeugender.
Die Action steht dieses Mal wesentlich stärker im Vordergrund der Handlung, was nicht immer gut sein muss.
Der ganze Film beginnt mit einer dynamischen Autoverfolgungsjagd, die nette Einfälle, aber nichts Neues und absolut Umwerfendes präsentiert.
Abgesehen davon, dass man eh nicht viel mitbekommt, weil auch hier wieder auf Handkamera und schnelle Schnitte gesetzt wurde, was ja heutzutage leider Gottes immer mehr zum Standard wird. Leider.
Womit wir auch schon bei der Kritik wären. Der Film versucht derart rigoros auf Neuzeit zu machen - was ja schon im Vorgänger getan wurde, nur dort nicht ganz so extrem - und dadurch echt nerven kann. Viel Handkamera, direkt bei der Handlung dabei sein und den Zuschauer das Gefühl geben, Teil des Kampfes zu sein. Es nervt mich auf Dauer. Vor allem wenn es dann noch kombiniert mit harten schnellen Schnitten, die einem Tränen in die Augen treiben, weil man nicht mehr hinterher kommt.
MIr ging es oft so, dass Dinge passiert sind, wo ich keine Ahnung hatte, was da genau passierte, weil man es nur so nebenbei kurz zeigt.
Man verliert schnell den Überblick über das Geschehen und wer jetzt wen verfolgt.
Die Neuerungen gehen weiter im Vorspann. Ich bin aufgewachsen mit grandios inszenierten Titelanimationen aus dem Hause Daniel Kleinmann, der einfach stilistisch zum Film eindrucksvolle Titel gestaltet hat und damit Vorfreude auf den Film macht.
Leider ist Kleinmann dieses Mal nicht mit dabei, warum auch immer.
Vorbei ist auch die Zeit der tollen Siluetten von Frauen, die mit Hammer auf Stalinfiguren eindreschen. Okay Okay, es geht ja auch nicht mehr um den Kalten Krieg, es ist wesentlich neuer angelegt. Aber der Stil und das ganze drum herum sind einfach futsch. Einige Dinge im Vorspann sind zwar optisch sehr eindrucksvoll, aber das Komplettpacket kann in meinen Augen nicht überzeugen. Stattdessen wird auf den absolut hippen “iPod-Style” gesetzt, wie wir ihn schon aus der derzeitigen Coca Cola Zero Werbung kennen.
Gut, mögen einige jetzt sagen. Bei der “ipod” Werbung wird auch mit Siluetten gespielt. Richtig, aber guckt man sich die vergangenen Intros der Bond-Filme an, wird man Unterschiede zu dem Neuen finden. Auch “Casino Royale” fiel hier schon aus der Reihe und hat einen Wendepunkt in der Art und Weise gesetzt. Nur hat dieses Intro damals besser gepasst.
Auch finde ich den neuen Bond Song von Alicia Keys und “White Stripes” Frontman Jack White nicht wirklich gut. Kein Ohrwurm, kein ansprechendes Lied, welches mir im Ohr bleibt. Schade.
Leider beginnt auch dieser Bond wieder in alte Muster der Übertriebenheit zu verfallen. War der Vorgänger ja noch gekennzeichnet durch einen sehr verletzlichen Protagonisten und seiner, für einen Actionfilm, sehr realistischen Action, ist “Quantum of Solace” teilweise sehr übertrieben und schraubt sich sehr in die Höhe. Dies fällt besonders bei einer Flugzeug-Verfolgungsszene auf.
Das Ganze mündet dann auch in eine Szene, die mich stark an den letzten Brosnan Bond “Stirb an einem anderen Tag” erinnert.
Es gibt jedoch auch wirklich sehr tolle Szenen in dem Film, die mir von der gestalterischen Komponente sehr zu gesagt habe. Hier möchte ich speziell die Bregenzer Seebrücken-Sequenz hervor heben, die schnitttechnisch, musikalisch als auch visuell sehr toll gestaltet sind. Parallelschnitt mit Opermusik zwischen einem Bondkampf und der Vorstellung. Sehr toll gelöst.
Auch gibt es viele Stunts, die mich einfach umgehauen haben. Egal ob es Sprünge mit Motorrädern über Schiffe (bereits im Trailer gesehen), oder der Kampf auf einem Baugerüst mit vorhergehendem Flug durch das Glasdach. Diese Sequenzen leiden zwar auch sehr unter dem Schnitt und der Kamera, können aber durchaus durch Einfallsreichtum und Action überzeugen.
Was das Bondgirl angeht, bin ich sehr überrascht. Bond bleibt nämlich, bis auf einen kleinen Ausflug, seiner Vesper treu und fängt auch nichts mit der bereits im Vorfeld gelobten Olga Kurylenko an. Und diese Frau haut echt teilweise auf die Kacke. Respekt.
Alles in Allem ist es ein netter Bondfilm, den man durchaus im Kino sehen kann, aber leider nicht mehr an den grandiosen und quasi schon revolutionären Vorgänger “Casino Royale” anschließen kann.
Eigentlich sehr schade, vor allem weil ich dem Regisseur Marc Forster nach tollen Filmen wie “Finding Neverland”, “Stronger than Fiction” und “Monster Ball” wesentlich mehr zugetraut habe, als er letztendlich abgeliefert hat.
Aber man muss auch eingestehen, dass er nie wirklich Action gemacht hat, und das Erbe eines so wichtigen Gutes durch Andere gehütet werden, nämlich die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G.Wilson. Und die beiden sind letztendlich diejenigen, die das Sagen haben.
Tja, schade.
Auch war das Kino mal wieder unter aller Sau, der Start hat sich ewig hinaus gezögert und Kinder habe die Vorstellung durch ihr dummes gequatsche dermaßen gestört, dass ich mich mit insgesamt zwei Gruppen von Jungs angelegt habe. Andere Kinobesucher haben es mir gedankt.
Da gehe ich extra am Nachmittag in den Film um meine Ruhe zu haben, und dann treffe ich auf solche Typen.
Das erinnert mich an “Harry Potter und der Feuerkelch”, wo der kleinne englischsprachige Junge hinter mir saß und kein Wort der deutschen Version verstanden hat.
Ich habe es gehasst.
Egal, viel Spaß beim Gucken und gebt mir eure Meinung durch.
Ich hab den letzten auch nicht gesehen und werde mir wohl diesen auch nicht anschauen.
Der letzte (Casine Royale) war aber ziemlich geil. Wirklich ein super Film gewesen.
Solltest du dir auf jeden Fall anschauen.