Posted on 05-03-2009
Filed Under (Allgemein, Filmtipp) by paule

So. Wieder da. Aus dem vollen Kino mit haufenweisen Menschen, die rascheln, quatschen und nebenbei einen Film gucken wollen.

Bin ja auch ganz glücklich, dass nach dem Rechtsstreit zwischen FOX und Warner Brothers der Film nun seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat.

Eines vorweg: Ich bin kein Comic-Typ, kenne den Comic von Alan Moore nicht und kenne mich demzufolge auch nicht in dem ach so hochgelobten “Watchmen” Universum aus.
Aber das, was uns Zack Snyder da nach “300″ zeigt, ist teilweise echt schon ganz geil.

Worum geht es?
Erinnerte mich alles ein wenig an “Die Unglaublichen”. Eine Horde ehemaliger Superhelden in komischen Kostümen lebt mittlerweile ein “normales” Leben. Ihre Superhelden-Identität haben sie aufgrund eines Gesetzes aufgeben müssen.
Angesiedelt ist das Ganze in den 80er Jahren und lebt eine politisch veränderte Welt.
Richard Nixon ist als Präsident weiterhin im Amt und die Welt steht kurz vor einem atomaren Krieg zwischen den USA und den Sovjets.

In dieser Rahmenhandlung siedelt sich eine sowas von komplexe aufgebaute Struktur an, dass man sich als Zuschauer gar nicht nach dem Sinn und dem “warum” fragt.
Woher diese Superhelden kommen, hinterfragt man einfach nicht. Sie sind da, und aus.
Womit wir wieder bei einem bereits vor einiger Zeit von mir angesprochenem Punkt der “Kausalität” und “Integrität” in der Dramaturgie wären.
Das Ganze ist sowas von glaubhaft aufgebaut und wird auch nicht irgendwie in Frage gestellt, weil die Welt, die die Superhelden umgibt, einfach Sinn macht.
Was dem Ganzen noch eine hilfreiche Komponente verleiht, ist der Fakt, dass ich nicht einen der Darsteller in diesem Film kannte. Weder vom Gesicht, noch vom Namen her. Somit entgehen in meinen Augen auf jeden Fall von vorn herein gewisse Probleme in der Glaubwürdigkeit, die durch die Besetzung eines bekannten Gesichtes resultieren, wie es zum Beispiel bei “Stauffenberg” mit Tom Cruise der Fall war.

Man bekommt von jedem Charakter einen Einblick in gewisse wichtige Ereignisse im Leben und erfahren dadruch, warum dieser so handelt und zu dem geworden ist, der er nun ist.

Ganz nüchtern betrachtet, baut die Geschichte der Handlung auf eine einfache Detektiv-Geschichte auf.
Einer der Superhelden, der Comedian, wurde umgebracht. Nun versuchen alle anderen (mehr oder weniger zumindest), dessen Tod aufzuklären. Alles im Kontext der atomaren Bedrohung Mitte der 80er Jahre.

Kommen wir zum visuellen Part.
Was uns da teilweise geboten wird, ist schon recht fett.
Es ist in meinen Augen, nicht einer der Filme, die voll und ganz die Effekte in den Vordergrund stellen. Zumindest anfänglich. Die Figuren und Handlung gesellt sich zu den visuellen Aspekten und nimmt jetzt nicht unbedingt die Vorhand ein.
So sind die Kämpfe stilistisch schon sehr abgehoben in Szene gesetzt, aber sind in meinen Augen dadurch nicht zu einer Farce mutiert. Das fand ich sehr angenehm.
Es klang halt immer wieder auch ein sehr humoristisch-ironischer Unterton bei Vielem durch, was gesagt und auch gezeigt wurde.

So empfand ich auch den kompletten Opening Teil als sehr interessant gestaltet.
Man sah geschichtliche Zusammenhänge der dargestellten Welt, als auch die Heldentaten der Helden.
Dabei wurde alles zeitlich sehr dezimiert aufgezeigt, sprich in extremer Zeitlupe. Gerade aber einmal so extrem, das man noch minimale Bewegungen erkenne konnte und so zum Beispiel auch noch Blitzlichter von Kameras wahrgenommen hat.
Dazu kam eine interessante kompositorische Visualität und eine, mich sehr ansprechender Hang zur Detailverliebtheit, als dass man beispielsweise auch noch die Titeleinblendungen in Reflextionen, Gläsern und Spiegeln erkennen konnte.
Hat mir persönlich sehr gut gefallen.

Kommen wir aber auch zu dem etwas anstrengenden Teil des Ganzen.
Gerade weil man sich nicht mit dem “Watchmen”-Universum auseinander setzt, wirkt doch alles doch sehr unrealistisch. Das betrifft nicht mal den Anfang des Films (der mit knapp 3 Stunden auch mit Pause gezeigt wird), sondenr eher das Ende.
Wenn sich nach und nach alles auf den Höhepunkt hinbewegt, kommen gewisse Dinge ins Spiel, die mir einfach nicht zugesagt haben.
Ob es daran lag, dass es einfach nicht in meine Vorstellung passt und ich die Entwicklung der Geschichte recht absurd finde, stelle ich jetzt einfach mal dahin.
Ich war dann schon ein wenig vom Ende enttäuscht und würde gern wissen, wie es eingefleischten “Watchmen” Fans ergeht.
Aber das ist glaube ich auch immer das Problem, bei einem solchen Film.
Entweder man steckt wirklich tief in der Materie, weiß über alles und jede Anspielung bescheid, oder man ist halt nur zur Unterhaltung im Kino und fragt nach dem Sinn dahinter.

Ich kann aber nicht behaupten, dass ich nicht gut unterhalten worden wäre.
Der Film hat durchaus seinen Reiz, ist aber in meinen Augen nicht so innovativ und eindrucksvoll wie Zack Synders “300″.

Und noch eine Sache im Anschluss.
Die Auswahl der Musik empfinde ich persönlich als der absolute Hammer.
Einfach um die zeitliche Einordnung zu tätigen, finden Songs wie “99 Luftballon”, “Sound of Silence”, “Halleluja” und “First we take Manhattan” ihre absurd-komische Daseins-Berechtigung in dem Film.

Und wer Superhelden beim Sex sehen will, sollte sich den Film auf keinen Fall verpassen lassen.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Gucken,
Paul

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Comments

ALAN on 9 September, 2010 at 08:42 #


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