Posted on 09-07-2009
Filed Under (Allgemein, Musik) by paule

Es ist eine ganze Weile her, dass ich auf einen Festival rumhing.
2000 war ich in Dallas beim Ozzfest, sah hammer geile Bands wie “Pantera”, “Suicidal Tendencies” und “Ozzy”. Ebenso war ich damals auf dem “101X Fest” in Austin, Texas und zog mir Bands wie “Everlast”, “Cypress Hill” und Andere rein.

Seit Jahren plane ich endlich mal zu Rock am Ring zu fahren, oder wenigstens zum Werchter, aber irgendwas kam immer dazwischen.
Mein Cousin kam also Anfang des Jahres auf die Idee, zum diesjährigen Sonisphere Festival an den Hockenheimring zu fahren. Vor allem, weil Metallica da auftreten sollten. Als Headliner.
Geile Idee, dachte ich und war mit dabei. Vor allem ist es ganz gut zum Reinkommen erstmal nur zu einem Ein-Tages-Festival zu fahren, bevor ich mich an die Drei-Tages-Dinger wage.

Gesagt, getan. So wollten wir uns am 3. Juli einen Wagen leihen, schön mit CD Player, damit wir die ganzen Metallica Songs schon auf der Fahrt genießen können und dann Richtung Hockenheimring heizen konnten. Tja. Lass einen angehenden Produzenten an die Sache und sie wird
1) richtig gut, weil er gleich für den selben Preis eine wahnsinnig geile Karre aushandelt
oder 2) ein mehr oder minder kleines Debakel.

Ich fuhr zwei Tage vorher extra zur Autovermietung um zu klären, dass das Auto also ein entsprechendes Radio hat. Das sollte es haben, zumindest ein funktionierendes Kassettendeck, womit wir über einen Adapter meinen ipod anschließen konnten. Ich bespielte diesen extra mit Allem was ich von Metallica habe. Dabei fiel mir auf, dass ich schon echt viel habe. Krank.
Mein Cousin holte nun also da Auto ab, und es war eine absolute Schrottkarre. Ein Audi 80, Baujahr 1994 mit 170.000 Kilometern runter (was ich für 15 Jahre echt wenig fand!) und einen lausigen Radio drin. Keine Kassette, keine CD. Nichts!
Und dann hatte das Auto noch Beulen ohne Ende und war dreckig. Aber immerhin haben wir Geld gespart. Für knapp 6€ über das Wochenende hätten wir zwar eine Golf-Klasse bekommen, schön mit Klimaanlage und CD Player. Aber irgendwie empfand ich es als durchaus amüsant und schön, mit einer solchen Krücke da runter zu heizen.
Wir kamen also irgendwann gegen 22:30 am Zeltplatz C5 an, der, wie wir später erfahren sollten, der weitest entfernteste war.

Wir schlugen im Dunkeln unser Zelt auf und ärgerten uns darüber, dass wir keine eigene Musik hatten. Jeder Wagen spielte einen anderen Metallica Song (oder teilweise auch andere ähnliche Bands), nur wir saßen da in unserem Auto, mit den bei Lidl vorher eingekauften Frikadellen und Würstchen im Kofferraum und merkten, dass wir das Ganze ruhig etwas besser hätten planen sollen.
Aber irgendwie lernt man daraus ja. Uns gegenüber stand ein Bus mit 4 Damen etwas höheren Alters und einem Generator, den sie fast ausschließlich die ganze Nacht nur dazu nutzten, ihre Musikanlage zu betreiben. Leider stand der Generator genau neben meinem Schlafplatz. Aber ist ein Paul mal müde, schläft er. Ich hatte kein Problem damit und war am nächsten Tag total ausgeruht.
Den Abend verbrachten wir also noch mit ein paar Bayern, die neben uns ihr Zelt aufschlugen und für die es das erste Metallica-Konzert sein sollte. Da merkte ich erst mal, dass ich mit meinen 6 Stück mittlerweile schon echt gut dabei bin.

Wir tranken als ein paar Bierchen, hörten Metallica, grölten mit und genossen die Vorfreude auf den kommenden Tag.


http://www.youtube.com/view_play_list?p=AEE5410A2D39231A
 
Am nächsten Morgen ging es dann erstmal auf in Richtung Klos und Duschen um sich wenigstens ein wenig zu erfrischen. Wir entspannten noch eine Weile im Auto, mit dem Sonnendach geöffnet und hörten Musik von den Nachbarn. (Deren Musikliste war echt geil und vielseitig.)

Der angekündigte Dauerregen und die 28°C traten nicht ein. Zumindest der Regenpart nicht. Warm war es. Aber nur leicht bewölkt.
Mittags zogen wir dann beide also mit unseren Metallica-T-Shirts bekleidet in Richtung Festival. Vorher wurde noch ewig überlegt, welches T-Shirt ich denn nun anziehen sollte. Lieber das Fan-Club Shirt oder doch eher das erste Shirt überhaupt von der St.Anger Tour?
Ich entschied mich für Letzteres, nur um es später die ganze Zeit ausgezogen in der Tasche bzw. als Sonnenschutz über den Schultern zu tragen.

Der Weg zum Gelände war lang. Sehr lang. Wir waren sicherlich 40 Minuten unterwegs, aber die Vorfreude wuchs.
Wir erreichten das Gelände. Keine Taschenkontrollen. Komisch. Aber cool.
Gleich erstmal hin zum Merch-Stand. Geiles T-Shirt gefunden. Sofort gekauft. Und angezogen. Nun war ich also mit zwei Shirts unterwegs.
Und dann bewegten wir uns also in Richtung Bühne. Und das war mal ne Bühne. Mindestens 30m Breite, zwei Leinwände an den Seiten (die recht tief hingen) und einer geilen Lichtinstallation.
Für uns typisch erkundeten wir erstmal den optimalen Weg in die erste Reihe bzw. in das vordere Feld vor dem ersten Wellenbrecher.
Und das sollte dann auch unser Fluch werden.
Wir hören also in der angenehmen Sonne des Nachmittags ein paar Bands. Mir fielen schon ein paar Leute mit schwarzen Armband auf, die sich um uns ausbreiteten.
Als ich mich dann irgendwann mal auf den Weg zum Wasserholen machen wollte (wir hatten noch nichts wirklich gegessen und wollten auf dem Gelände ein leckeres Steak oder so essen und dann später mit einem Bierchen anfangen!), merkte ich, dass wir nicht mehr heraus kamen. Oder anders gesagt: Ich wäre nicht wieder herein gekommen. Die waren am Anfang zu leichtsinnig und ließen fälschlicherweise Leute in den vorderen Bereich, die da nicht rein gehören. Nämlich unter anderem uns. Dieser Bereich war blöderweise denen zugeteilt worden, die eigentlich Sitzplatz-Karten auf der Tribüne gekauft hatten, welche aber aufgrund von einigen Vorfällen vor Ort dann nicht geöfnet wurde und so diese Leute dann vorne stehen durften.
Um das noch einmal zu wiederholen. Denen, die freiwillig leicht seitlich sitzen wollten, bietet man als Einzigen die Möglichkeit an, im vorderen Teil des Geländes direkt vor der Bühne zu stehen.
Wie soll denn das aussehen, wenn da Bands wie Metallica raus kommen und da vorne bewegt sich keiner, weil die alle ursprünglich sitzen wollten. Ich glaub es hakt.

Jedenfalls wies mich eine Einlasserin darauf hin, dass ich idealerweise drin bleiben sollte, weil ansonsten würde ich nicht wieder reinkommen.
Blöd war nur, dass man im inneren Bereich keine Kaufmöglichkeiten für Getränke und Essen aufgebaut hatte und wir damit von der Außenwelt abgeschnitten waren.
Das hört sich nicht so wild an, aber seid mal für mehr als 7 Stunden im vorderen Bereich eines solchen Festivals und dann trinkt nichts. Bei knapp 25°C. Das wird knapp. Da biste, wenn Metallica am Ende auftritt, einfach mal kurz vorm Kollaps.

Ich lachte uns also ein paar Leuchten mit Armband an und gab Ihnen 20€ in die Hand, als sie in einer der Umbaupausen Getränke holen gingen. Leider kamen die ewig nicht wieder.
Zitat von meinem Cousin: “Würdest du wiederkommen, wenn dir ein Fremder 20€ in die Hand drückt?” Guter Punkt. Der Wassermangel lies die ersten Spuren von Naivität in mir aufsteigen.

Ich genoss jedoch trotzdem “The Prodigy”, eine Band auf die ich mich riesig gefreut habe, seitdem sie knapp 3 Wochen vor Festival angekündigt wurde. Ich sage nur eins: Guckt sie euch live ein. Die JUngs rocken dermaßen, das ist unglaublich. Was da für ein Sound rüber kommt, ist der absolute Oberhammer. Eine reinste Wucht.
Dadurch, dass ring herum keine Sau wohnt (wie in Berlin an der Waldbühne), drehen die einfach mal richtig auf. Und das merkte man. der Bass wummerte in der Brust.

Irgendwann kam dann von hinter mir ein Anstupser. Es waren die Armband-Besitzer, die vom Graben aus, mir nur schnell das Geld in die Hand drückten, und eine kleine Flasche Wasser und nur schnell meinten “Es gibt kein Wasser mehr” und weg waren, weil die Security wieder raus zog. Na toll. Kein Wasser mehr? Sind die bekloppt hier, dachte ich mir noch so. Aber wenigstens habe ich die 20€ wieder und Wasser. Eigentlich wollten wir uns die Flasche sinnvoll einteilen, aber nach ca. 2 Minuten war diese leer. Blöd.
Aber erstmal wieder erfrischt und gestärkt.

Es kamen “die Toten Hosen”. Auch auf diese Band hatte ich mich gefreut. Es sollte die letzte Band vor Metallica sein. Und die Hosen machten einfach mal richtig Laune. Ei Mitgegröle und Gesinge vom Feinsten. Fans mit riesigen Fahnen sangen lautstark mit, ein Fan (ein gekaufter, wie ich später erfuhr, weil sie die selbe Aktion in Berlin einen Tag vorher ebenso machten!) durfte auf die Bühne und einen Song singen. War sehr lustig. Obwohl mir die Show schon sehr geplant vorkam. Sowohl der singende Fan als auch die Fahnenträger und so. Aber die Stimmung war super und heizte gut an.
Vor allem, weil keiner der Bands bisher auf Pyro zurück griff. Daraus schloss ich, dass Metallica einfach mal richtig auffahren werden.

Und dann war es irgendwann endlich soweit. Metallica kamen um 21 Uhr. Es war noch leicht hell, die Sonne war gerade weg als die ersten Töne vom standard-mäßigen Intro “The Ectasy of Gold” erklangen. Die Stimmung war super. Wir hatten uns mittlerweile vom hintersten Feld des vorderen Feldes bis fast ganz nach vorne (ca. 4. Reihe) gekämpft und befanden uns nun mitten drin im Mosh-Pit. Und dann ging es los. “Fight Fire with Fire”. Lange nicht mehr als Opener gespielt. Und es war der Wahnsinn. Auf einmal standen die 4 Jungs da wieder. So nah. Und es ging ab. Auch wenn es Probleme mit der Mischung der Gitarren gab, weil man anfangs nur den fetten Bass und die Drums hörte. Aber das wurde schnell geregelt.
Und die Maßen gingen ab.
Mein Training, welches ich vorher zusammen mit Max erarbeitet habe und wochenlang durchgezogen habe, schien seine Wirkung zu zeigen. Ich fühlte mich top fit, teilte gut aus und hatte ein Wahnsinns Ausdauer. In diesem Sinne noch mal Danke an Max!

Metallica spielten einige untypische Songs, die ich entweder noch nie live gehört habe und ewig nicht gehört habe. Ich war glücklich. Sang mit, pokte umher.

Die Pyro war ebenso der Hammer, aus meiner Sicht sah es immer so aus, als ob die riesigen Banner neben der Bühne in Feuer stehen, wenn sich die Bühnen-hohen Feuerfontänen in den Himmel bohrten.

Der Sound war die Wucht, das Lauteste was ich von Metallica je gehört habe. Einfach ein Traum.

Nach dem Konzert begaben wir uns nun also wieder auf den langen Weg in Richtung Zeltplatz. Vorher leerten wir noch jeder ein leckeres kühles Bier, eine Cola und 2 Becher Wasser. Wir waren so durch, aber ebenso glücklich.

Am Zeltplatz angekommen, herrschte schon wieder Partystimmung. Lediglich unsere bayerischen Freunde waren ein wenig enttäuscht. Obwohl ich die Setliste als extrem geil empfand, fehlten den Jungs halt ein paar Klassiker. Gut, mich störte das nicht, weil ich sie bereits in den 6 Konzerten vorher etliche Mal gehört hatte. Aber wäre es mein erstes Konzert gewesen, hätte ich wahrscheinlich genauso gedacht.

Wir waren so tot, dass wir bald auch in unsere Schlafsäcke fielen und schliefen. Wie fast jeder.
Am nächsten Morgen ging es also wieder in Richtung Heimat. Mit einem geplanten Frühstücks-Einkehrer in einem amerikanischen Schnelless-Restaurant mit zwei Worten. Nein, nicht Burger Donalds.
Wir fuhren und fuhren auf der Autobahn, es kam kein Burger Donalds. Doch irgendwann tauchte am Horizont das leuchtende Schild von Burger King auf.
An der Kasse trafen wir noch ein paar Gleichgesinnte aus den ersten Reihen (zumindest dachten wir, welche wieder erkannt zu haben, die wir am Abend zuvor frühzeitig bedient haben, als sie uns im Mosh-Pit fertig machen wollten. Frei nach dem Motto “blutet deine Nase immer noch”?)

Es war ein super Wochenende, ich habe wieder Blut geleckt und werde nun sicherlich nächstes Jahr zum Werchter Festival nach Belgien fahren. Und ich habe mir gleich auch noch ne Karte für das im August anstehende “Toten Hosen” Konzert gesichert.
Das wird auch noch mal ein Spaß.
Nun genieße ich den offiziellen Download des Konzertes von der Metallica Seite. Schöne Erinnerung.

Und nun geht es wieder hinein in den Alltag. Mit der Produktion von 9 Dramaturgie-Kurzfilme, die ich derzeitig betreue. Mehr dazu demnächst mit vielen lustigen Bildern und Anekdoten aus der Produktion dieses Chaos.

Beste Grüße
Paul

Share and Enjoy:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google
  • LinkedIn
  • MySpace
  • Technorati
  • TwitThis

Comments

maxe on 10 Juli, 2009 at 00:36 #

na dann hat die quälerei doch mal etwas sinn gehabt. ich hab da übrigens ziemlich geile bein- und gesäßübungen. da haste ja mal interesse angekündigt. aber wie du mich kennst: leicht wirds nicht.

freut mich, dassde spaß hattest!


Post a Comment
Name:
Email:
Website:
Comments: