Dienstag abend Premiere in Berlin. Mittwoch abend Vorab-Screening im Cinemaxx. Donnerstag offizieller Kinostart.
Wer derzeitig durch Berlin pendelt, wird von allen Seiten von einem miesen Kinoplakat für den heiß umstrittenden und lang ersehnten Stauffenberg-Film mit Tom Cruise als Claus Schenk Graf von Stauffenberg belästigt.

Ich war am Mittwoch abend nun also auch und habe eigentlich nicht sonderlich viel erwartet.
Natürlich habe ich in den Jahren zuvor sämtliche Probleme, die mit dem Dreh des Films in Berlin einher gingen, genüsslich verfolgt.
Trotz alledem wünschte ich mir, dass aus dem Film etwas werden würde. Aber auch nur aus dem Grund, um einem alten traditionswürdigem Studio wie United Artists, welches damals von Künstlern wie Charles Chaplin und D.W. Grifith gegründet wurde, endlich wieder die Chance zu geben, erfolgreich aufzusteigen.
Das dieses Studio nun unter der schützenden Hand von Tom Cruise steht, war dabei nur eher nebensächlich.

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass der Film durchaus seine interessanten Momente hat. Aber die sind meist nicht aufgrund der Darstellung durch Cruise. Er wirkt in seiner Rolle als Stauffenberg so gar nicht überzeugend, dass ich mich teilweise schon fragte, was das geldgebende Studio damals veranlasste, diesen Cast durchzuwinken. Okay, er hat einen gewisse Ähnlichkeit, aber…

Der ganz große Kritikpunkt ist der Films ist seine komplett fehlende Charakterzeichnung der wichtigen Personen. Stauffenberg wird lediglich als Kopf des Widerstandes gezeigt. Seite Argumentationen für sein Handeln beschränken sich dabei lediglich auf infantile Begründungen ala “Hitler ist doof”.
Es wäre durch aus von Nöten gewesen den inneren Konflikt zu zeigen, der Stauffenberg durchgangen sein muss, um von einem Fahnen- und Führertreuen zum Widerständischen zu werden. Das birgt eigentlich ein solches Potenzial an Vielfältigkeit und sollte auch einem Schauspieler die Möglichkeit geben aus den Vollen zu schöpfen. Das ist meiner Meinung nach einer der ganz großen Kritikpunkte dieses Films, da sie von vornherein ein sehr ungutes Gefühl auf den weiteren Handlungsverlauf geben. Gut, auch wenn man von vornherein weiß, wie es ausgehen wird. Hier dient die Charakterzeichnung lediglich der einfachen Zeichnung von Gut und Böse, um diesen Film auch gleich noch den weniger Gebildeten nahezubringen.
Wo wir schon bei Zeichnung der Figuren sind.
Frage an euch: Wie wird eurer Meinung nach Hitler dargestellt?

a) vor einer Weltkarte stehend und Panzerdivisionen umher schiebend?
b) einen deutschen Schäferhund streichelnd?

Was die Bestetzung von Nebenrollen angeht, sind mir besonders die Deutschen doch gut in Erinnerung geblieben. Besonders Christian Berkel, Thomas Kretschmann sowie Wotan Wilke Möhring treten hier in ihren kurzen Rollen in den Vordergrund und können durchaus überzeugen und fesseln.

Apropos fesseln: Entgegen aller Erwartungen kann ein Teil des Film schon mit einer gewissen Spannung überzeugen und ließen bei mir das Adrenalin ein wenig ansteigen. Das eigentliche Attentat ist so nebensächlich und einfach inszeniert, dass ich doch überrascht war. Auch die daraus resultierenden Aktionen und den parallel verlaufenden Handlungssträngen können den Zuschauer schon an den Sessel fesseln. Leider bricht sich das aber auch genauso schnell wieder, wenn der Putsch-, bzw. Übernahmeversuch der Regierungsgeschäfte scheitert und die Verräter drohen enttarnt zu werden.

Alles in Allem handelt es sich bei der “Operation Walküre” nicht um den zu erwartenden Film, der “Das Bild von Deutschland in der Welt verändern wird”, so wie Florian Henkel von Donnersmarck es formuliert hatte.
Es ist ein gewöhnlicher Thriller auf Basis politischer Wahrheiten mit interessanten Strecken.
Mehr nicht.

Schade für United Artists. Aber nach einem EInspielergebnis von 80 Millionen $ in USA an einem Wochenende wird sich das sicherlich doch positiv für das Studio auswirken. Hoffen wir es.

Ansonsten kann ich mich einigen Anmerkungen der Fünf Filmfreunden anschließen.
Siehe hier: Filmkritik zu “Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat”

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Comments

» Blog Archive » Pflichtfilme 2009 on 23 Januar, 2009 at 13:10 #

[...] Januar: 22.01.2009 “Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat” Mittlerweile habe ich den Film schon gesehen und mich darüber ausgelassen. Für eine kurze Filmkritik klicke hier . [...]


maxe on 29 Januar, 2009 at 00:17 #

“Er schafft es, dass man zwei Stunden lang atemlos auf der Stuhlkante sitzt, obwohl man weiß, dass der Sache kein Erfolg beschieden war. “Operation Walküre” ist - man glaubt es kaum - der spannendste Thriller der letzten Zeit. Graue Menschen stehen in grauem Dekor und reden viel - und doch ist das großes Kino.”

– Michael Althen: faz.net

Naja, kennst ja meine Meinung. Im nachhinein betrachtet kann ich zweierlei sagen:

1.) Man hätte eine Charakterzeichnung von Stauffenberg machen können - ohne Frage. Aber erstens hätte man die so darstellen sollen, dass auch Person Stauffenberg - nicht nur die Idee des Attentats - hinterfragt werden sollte. Im Gespräch nach dem Film und auch davor stellte sich ja schon die Frage des “warum” in den Raum, immerhin hat es Stauffenberg zu einem hohen Rang innerhalb des Hitler-Systems gebracht.

Alerdings hätte der Film dann auch Stauffenberg heißen müssen und nicht Walküre. Aber dieser Film behandelt nicht Stauffenberg, sonder Walküre. Dahingehend in meinen Augen nicht so schlimm, dass es kaum entwicklung im Charakter gab. Die Katharsis hat er eben schon vorher durchgemacht. Wir steigen am Punkt nach seiner Entscheidung ein und das hat der Film auch nie anders im Sinn gehabt glaub ich. Dahingehend hat er ein Muss erfüllt.

2.) … vergessen. Hab versucht rauszufinden, wo der Unterschied zur Originalgeschichte liegt. Bin aber noch nicht erfolgreich gewesen. Nur, das meine Theorie nur vage stimmt. Es waren bestimmt nicht so viele Wehrkreise wie im Film, aber doch mehr als nur einer oder zwei. Ich bleib dran, wenn ich dran denke. Wenn du eher was rausfindest, lass mal wissen.


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