Ich wage es kaum glauben, was morgen passiert.
Schon seit Wochen arbeite ich als Produktionsleiter an einem Forschungsprojekt an der HFF, welches ein Förderungsprjekt des Bundewirtschaftsministerium ist.
Wir wollen an der HFF den ersten 3D-Spielfilm der HFF drehen.
Und ich wurde gefragt, ob ich nicht die Produktionsleitung übernehmen möchte. Was für eine Ehre und eine Herausforderung.
So vergingen die letzten Wochen und irgendwie kam ich oft an einen Punkt, an dem ich begann zu zweifeln, ob wir jemals überhaupt die Möglichkeit haben werden, überhaupt zu drehen.
Trotz des Forschungscharakters stellten sich uns bzw. der Produktion etliche unterschiedliche Probleme in den Weg. Egal ob sie von Seiten der Logistik oder einfach der Umsetzbarkeit waren.
Es gab insgesamt 7 Drehbuchversionen, die ersten 4 unterschiedlicher Art. Es gab lange keine Szenenbildner, der Cast lies auch lange auf sich warten und so weiter und so fort.
Mal abgesehen von der Unsicherheit, ob die Technik überhaupt unter Kontrolle zu bekommen ist.
Immerhin drehen wir mit zwei Kameras gleichzeitig, die mit einem kleinen Versatz von ein paar Zentimeter Abstand, zwei Perspektiven gleichzeitig aufnehmen. Schaut man sich die Apparatur einmal an, wird man schnell feststellen, dass es ein gewaltiger Koloss ist. Und man bekommt nicht mal einen Eindruck davon, was dahinter alles dran hängt.
STAN, CODEX, TRANSVIDEO-MONITORE, und und und.
Heute ist nun also der letzte Tag vor Drehbeginn gewesen.
Mein Leben gestaltete sich in den letzten Tagen und Wochen als nicht gerade rosig, da mir meine Produktions-Assistenz aus privaten Gründen wegbrach und ich auf die Schnelle niemanden gefunden habe, der sich mit mir in diesen Mix aus Chaos und Adenalin stürzen wollte. So war ich auf mich allein gestellt (zumindest fast) und war etliche Male am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Heute jedoch gelangte ich zu einer Erkenntniss:
Es war der entspannteste Tag von Allen in den vergangenen 3 Wochen.
Ich hatte wirklich die Möglichkeit 90 Minuten lang in aller Ruhe Dispositionen zu schreiben, ohne das mich eine Person angerufen hat.
Ich ging also heute einmal über das Set und vorbei an den Kameratests und sah, wie sich die Kameraleute in dem gerade fertig aufgebauten und eingerichteten Set an den Lampen und Scheinwerfern zu schaffen machten und völlig ohne mein Einwirken ihrer Arbeit nachgingen. Und sie sage euch, dass Set sieht geil aus, wenn wir drehen.
Die Szenografen legten letzte Hand an die Ausstattung, die Kameraleute testeten die Kamera in diversen Situationen von Schärfeverlagerungen über Slow-Motions.
Mein Set-Aufnahmeleiter übernahm heute das halbe Ruder, zusammen mit seinen Assistenten.
Und ich konnte das tun, was ein Produktionsleiter zu erledigen hat. Nämlich im Büro sitzen und sich mit Finanzen und Verträgen beschäftigen. Es war unglaublich.
Donnerstag morgen, 8 Uhr ist dann also auch Arbeitsbeginn, Drehbeginn versuchen wir auf 10:00 zu legen. Ich bin sehr gespannt, auf was für großartige Hürden wir in den kommenden 9 Tagen stoßen werden und wie wir zu improvisieren haben.
Ich kann euch aber versprechen, dass wir ein wunderbares und hochmotiviertes Team, eine tolle Geschichte, tolle Darsteller und ein geiles Set haben.
Die Produktion sprengt etliche andere Produktionen an der HFF, vom Budget über den Produktionsumfang, den Technikumfang, den Setbau als auch alleine den Umfang des Teams und des Caterings.
Welcher Studentenfilm hat schon einen eigenen Koch, der an der HFF für 50 Stabmitglieder täglich kocht. Und zwar warm!
Ich gebe zu, dass ich am gestrigen letzten Produktions-Besprechungstag schon an einer Stelle extremes Muffensausen bekommen habe und mich ehrlich gefragt habe, ob ich als Produktionsstudent im zweiten Studienjahr wirklich in der Lage bin, dieses Ding zu stemmen. Und dann auch (fast) noch allein mit allen seinen Hürden und Problemen.
Vielleicht hatte ich mich doch übernommen und mir zu viel zugemutet.
Aber heute merkte ich, dass genau diese Einstellung, nämlich Neues zu wagen und auch zu wissen, dass man wieder aufstehen kann, wenn man sich auf die Fresse packt, das ist, warum ich an dieser Schule bin.
Und es derzeitig in keiner Form bereue weitergemacht zu haben nach dem ersten Jahr.
Wir twittern übrigens vom Set unter dem Namen “3DTopper“.
Also folgt uns und genießt die Dreharbeiten.