Kaum sind wir dabei, groß rauszukommen, funkt uns auch schon jemand dazwischen.
Was ist das nur für eine Welt?
Was war passiert.
Wir produzieren hier munter und fröhlich unseren 3D-Film, geben Pressemitteilungen heraus, laden die Presse zum Set-Besuch ein und beginnen, unseren Film medienwirksam zu bewerben.
Und dann erscheint am 13. Januar 2010 um 10:43 eine Pressemitteilung von Constantin Film, wo der neue Wickie-Film angekündigt wird. Und Freude, Freude - als “die erste deutsche Real-3D-Produktion”.
Was sprang ich auf. Ich, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat das Marketing für “Topper” zu übernehmen.
Gut, ich habe sowas vorher nie gemacht, aber genau da lag ja der Reiz in meinen Augen.
Einfach mal gucken, wie weit man diesen Film nun also pushen kann.
Und dann kommen Rat Pack Filmproduktion und Constantin Film daher und wollen wir meinen USP streitig machen.
Unerhört sowas.
Eine kurze Rücksprache mit unserer Projektleiterin Jennifer und eine heiße Diskussion darüber, ob wir uns nun wirklich aufregen sollten oder nicht (ich war strikt dafür einfach mal richtig loszulegen!) später, rief Jennifer bei der Presseabteilung von Constantin an und wies die Herrschaften darauf hin, dass ihnen ein Fehler unterlaufen ist. Das interessierte die dort nur absolut gar nicht (wahrscheinlich, weil sie selber keine wirkliche Ahnung haben!).
Das vorzeitige Ende vom Lied: Die Falsch-Meldung wurde nicht zurück gezogen und die Nachricht verbreitete sich im Netz und der Presse wie ein Lauffeuer.
Irgendwann rief bei uns an der HFF der Stern an und erkundigte sich über unser Projekt, da sie einen Artikel über “Avatar” und den “Aufbruch in die dritte Dimension” planen.
20 Minuten Telefoninterview mit Jenny und wir freuten uns auf die kleine Werbung im Stern.
Irgendwann organisierte ich mir den Stern (#4 vom 21. Januar 2010) und begann zu lesen.
Und siehe da:
Kein Wort über “Topper”. Und kein Wort über die “HFF”. Lediglich ein kurzer Abschnitt nach dem Abschnitt über derzeitige 3D-Produktionen in Deutschland, in dem es hieß, dass
“selbst das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und die Fraunhofer Gesellschaft investieren in ein Forschungsprojekt zum Thema: An einem Kurzfilm soll die Wirkung der räumlichen Effekte aufs Publikum untersucht werden” (Stern, #4, 2010, S. 106, 3.Absatz).
Kein Wort über uns. Zumindest namentlich.
Im Absatz zuvor hieß es dann natürlich noch
“(..) und “Wickie auf großer Fahrt”, der erste deutschsprachige Real-Spielfilm in 3-D” (Stern, #4, 2010, S.106, 2.Absatz)
Frage an euch Leser: Was ist ein Spielfilm?
Laut Wikipedia ist es ein
“Film mit einer fiktionalen Handlung, die unter Umständen realen Ereignissen bzw. Personen nachempfunden sein kann, und der in erster Linie für die Präsentation in Kinos vorgesehen ist.”
Weiter heißt es:
“Spielfilme werden üblicherweise mit den Mitteln der Spielfilmdramaturgie auf der Grundlage eines Drehbuchs gedreht” und “Im deutschen Sprachraum wird – vor allem im Zusammenhang mit einzelnen Folgen von Fernsehserien – gelegentlich von Filmen „in Spielfilmlänge“ gesprochen. Dies kann dahingehend missverstanden werden, dass die Dauer eines fiktionalen Films für seine Charakterisierung als Spielfilm eine Bedeutung habe.”
Anders gesagt: Obwohl wir ein Kurzfilm sind, sind wir trotz alledem ein Spielfilm. Und behauptet man nun also, dass “Wickie2″ der “erste deutschsprachige Real-Spielfilm in 3D” ist, dann ist das einfach falsch.
Unser Film kann nur im Kino gezeigt werden. Oder wie viele von euch haben zuhause die Möglichkeit 3D-Inhalte zu gucken?
Ich kenne bisher keinen Einzigen.
Daher entflammte in mir das Bedürfnis, dies richtig zu stellen und es zu nutzen.
Was für ein Glück, dass unser Hauptdarsteller Claude-Oliver Rudolph gern Dinge klarstellt. Daher mache ich mir diesbezüglich wenig Sorgen.
Auch spielt Jörg Moukaddam in unserem Film mit.
Für die, die es nicht wissen: Jörg spielte bereits im ersten “Wickie” Film den Faxe und wird dies auch im zweiten Teil wieder tun.
Und schön, dass wir gerade dabei sind, eine “Wir sind die Ersten” Kampagne zu starten.
Ich freue mich so darauf, demnächst einfach anzufangen, dagegen zu feuern. Auch wenn es nicht offensichtlich sein wird, werden wir das früher oder später richtig stellen.
Und mein Leserbrief an den Stern wird hoffentlich den ersten Stein ins Rollen bringen.
Ansonsten steht uns die Berlinale bevor, auf der wir auch noch einmal dazu bereit sind, Richtigstellungen aufzufahren.
Es bleibt spannend.
Und nur weil wir eine Filmhochschule sind, heißt das nicht, dass wir uns solche Dinge gefallen lassen müssen.
So long und bis bald,
Paule