Posted on 17-03-2009
Filed Under (Allgemein, Studium) by paule

Eigentlich ist es nicht ganz richtig und ich stelle mich wahrscheinlich für viele jetzt wichtiger und besser hin, als ich es bin.
Aber mir gingen heute abend bei einem Bier mit Freunden einige Dinge durch den Kopf.

Wir redeten so über einen anstehenden Dreh eines Bekannten von mir. Sie verfilmen ein Drehbuch was der ehemalige Sänger der Elenden, Das lange Elend, vor einiger Zeit geschrieben hat.
Mir wurde das Projekt ebenso angeboten und ich empfand es als sehr skurril und interessant.
Aber mit meinem jetzigen Status interessiert es mich ja schon eher, ein größeres Projekt auch mit einer gewissen Professionalität anzugehen.

Das war dem Drehbuchautor aber irgendwie alles zu schwammig, sodass er begann, mit einem Bekannten von mir das Projekt selbständig anzugehen.
Ihr Plan ist, das Projekt, welches darauf erdacht ist Spielfilmlänge zu haben, mit so wenig Geld, sprich mit gar keinem Geld, umzusetzen.
Somit ist ihr Plan mit wenig Equipment, Laiendarstellern an billigen Orten zu drehen.
Soweit so gut.

Ich befand mich nun heute in einer Unterhaltung, so es auch um eben jenes Projekt und deren Umsetzung ging. Ich bin und bleibe der Meinung, dass es nicht möglich ist, ein solches Projekt ohne jegliche finanzielle Unterstützung umzusetzen und einfach nur das “Verstecken und Unterschlagen von wahren Kosten” ist. Immerhin muss zum Beispiel das Material für die Kamera, in diesem Falle die HDV Bändern, bezahlt werden.

Ich wage absehen zu können, wie der fertige Film aussieht. Nicht, dass ich es abwertend betrachte, aber ich betrachte es mittlerweile mit einer gewissen Distanz und empfinde es auch als schade, diesem großen Potenzial des ursprünglichen Drehbuchs nicht gerecht zu werden und es mit einer gewissen Professionalität anzugehen.
Man kann den Filmemachern zu Gute halten, dass sie sich in ihrer freien Zeit damit beschäftigen und solche Projekte umsetzen.
Aber was dabei heraus kommt, ist immer so die andere Frage.

Vor einiger Zeit führte ich mit dem Kameramann des Projekts, meinem Bekannten, eine Unterhaltung, in der es mir darum ging, einige Infos zu der Umsetzung einzuholen.
Mich interessierte einfach, wie sie es schaffen wollen, mit so wenig Geld wie möglich, oder so wie es sie sagen: mit gar keinem Geld, diesen Film nun zu realisieren.
Ich gab ihnen den freundschaftlichen Rat, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, was beispielsweise die Beschaffung von Rechten angeht, egal ob von Personen oder Motiven, an denen sie drehen.
Daraufhin antwortete mir mein Bekannter, dass er sich ja neben der Kameraarbeit auch darum kümmern könnte.
Das war mir ein Dorn im Auge, denn immerhin verbringen Leute wie ich vier komplette Jahre damit, diese Sache zu studieren, die er so nebenbei machen möchte. (Gut, auch hier könnte man den Einwurf machen, dass es ziemlich bekloppt sein muss, vier Jahre damit zu verbringen, um zu lernen, wie man Rechte einholt. Aber zum produzieren gehört mehr als das, was viele einfach nicht sehen!)
Ich meinte zu ihm, er sollte sich nicht damit nebenbei beschäftigen, weil im schlimmsten Falle würden sie am Ende das Problem haben, nicht alle nötigen Rechte zu haben und sie den Fil nicht verwerten können.
Dann hieß es daraufhin von ihm, dass sich Gunnar, der Drehbuchautor und Erstlings-Regisseur, ja nebenbei darum kümmern könnte.
Auch hier intervenierte ich und meinte, dass es beschissen und ein großer Fehler wäre, ihn dies übernehmen zu lassen, da er
a) auch nicht weiß, worauf es ankommt
2) er keine Ahnung von Regie hat und demnach viel Zeit damit verbringen wird, sich da durch zu ackern und demnach keine Zeit haben wird, sich nebenbei mit der Produktion zu beschäftigen.

Während dieser Unterhaltung heute merkte ich immer mehr, dass ich mich mittlerweile in einer sehr, für mich ungewöhnlichen, Einstellung befinde.
Früher war ich immer derjenige, der gerne und ohne Mucken kleine Filme gedreht hat.
Ich habe mich auf den Alex gestellt und ohne zu fragen mit meinem selbstgebauten Dolly abgefahrene Filme gedreht habe.
Oder ich habe zusammen mit meinem Kumpel an einem Sonntag einen kurzen Werbespot drehen wollen, in dem ich ihn aus einem Klamottenladen haben springen lassen. Hals über Kopf, ohne Matte.

Zu dieser Zeit habe ich auch fast alles ohne viel Geld und Rechteabtretungen gemacht und ich bin zu dem geworden, der ich heute bin.
Das Ganze ist ein Teil von mir und ich fange nun an, in einer Zeit, in der ich ohne größere Probleme auf die für einen Filmemacher normalsten Utensilien wie Dolly und Stative zurückgreifen kann, mich über diese Leute zu beschweren und auszulassen, die so sind, wie ich es vor einigen Jahren war.

Ich weiß aus dieser Erfahrung, die ich damals durch mein Einfach-Darauf-Los-Drehen-und-Sehen-Was-Dabei-Heraus-Kommt-Filmen gemacht habe, dass es in den meisten Fällen nicht so geht. Ode res geht schon irgendwie, aber nicht so wie man will.

Nur dadurch, dass ich diese Erfahrungen machen konnte und gemacht habe, bin ich jetzt an der HFF. Und nun beginne ich den Großen raushängen zu lassen und mich über die auszulassen, die es mir irgendwie nachmachen (und nicht nur mir, sondern tausenden Anderen, die es vor mir ebenso getan haben).
Eigentlich ist das nicht fair und erschreckt mich selbst ein wenig vor mir.

Und ich finde es schade, dass ich mittlerweile an einem Punkt bin, an dem ich nicht mehr normal und ohne “professionellere” Vorgedanken an ein lustigen kleinen Dreh heran gehen kann.
Bei mir beginnt langsam eine angehende Professionalität mitzuschwingen. Und das finde ich schade.

In diesen Sinne wünsche ich Allen, die irgendwie und irgendwann diesen Pfad auch betreten, dass ihr euch nicht davon abbringen lasst, wie ihr angefangen habt und auch dazu steht woher ihr kommt und euch auch ruhig dieser Masche treu bleibt.

Aber eine Sache soll diese Unterhaltung zwischen meinem Bekannten und mir auch zeigen:
Unterschätzt die Arbeit eines Produktionsleiters und/oder Produzenten nicht.

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CLARENCE on 12 September, 2010 at 06:10 #


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