Tja, lange hat es für mich gedauert, diesen Film zu schauen.
Aber nachdem ich zu Weihnachten eine Cinemaxx Silver Card geschenkt bekommen habe, bin ich gleich ins Kino und habe mir den ersten Film angeschaut (in den nächsten 6 Monaten werden etliche folgen!)
Also tat ich mir heute gleich mal den Baader-Meinhof-Komplex an, nachdem ich mir schon eine ganze Weile vorgenommen habe, ihn mir anzuschauen.
Ich glaube ich muss hier nicht viel über die Geschichte verlieren, da diese den meisten bekannt ist. Erzählt wird die Geschichte der Roten Armee Fraktion von ihren Anfängen der studentischen Ausschreitungen über Rudi Dutschke, bis hin zur Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer.
Alles in Allen ist es ein wirklich beeindruckender Film mit einer sehr straffen Dramaturgie. Auch wenn der Film nicht gerade kurz ist (mal locker 150 Minuten), ist er wirklich sehr spannend und durchaus interessant erzählt. Es wird sehr intensiv auf Archivmaterial aus der Zeit zurück gegriffen, sodass die Geschichte sehr viel über Radio- und Fernsehbeiträge erzählt wird, was ich ganz spannend fand.
Da ich ja erst 1984 geboren wurde, bekam ich von der ganzen RAF Geschichte wenig mit, und zu meinem persönlichen Unheil gebe ich auch ganz ehrlich zu, dass ich mich nie wirklich intensiv damit beschäftigt habe. Hinzu kommt, dass ich geschichtlich betrachtet auch wirklich eine Niete. Aber es ist dann doch schon erschreckend, mit welchen Methoden und mit welcher Brutalität es vor gar nicht allzu langer Zeit in unserem Staate (bzw. der Bundesrepublik) zuging.
Wirklich erschreckend.
Aber, und da stehe ich glaube ich nicht ganz alleine da, stören mich einige Dinge an dem Film. Erst einmal ist es mal wieder das Überangebot von deutschen Stars. Wie schon in “Der Untergang” und auch anderen deutschen Filmen (aber besonders stark bei Bernd Eichinger Produktionen), wird wieder auf die Elite der deutschen Schauspieler zurück gegriffen, was beim Zuschauer schon irgendwie einen fahlen Beigeschmack hinterlässt. Ich persönlich empfand Bruno Ganz diesmal als die leittragende Person, da ich in ihm leider immer nur noch Hitler aus “Der Untergang” sehe und sehen kann.
Meinen Begleitern erging es so mit Moritz Bleibtreu, der mir wieder rum gar nicht so aufstieß.
Was ich wiederum ganz wunderbar gelöst empfand, war die Darstellung der Charaktere. Bereits im Trailer stellte man die wahren Gesichter hinter der RAF mit den Darstellern gegenüber. Uns es zeigte sich schon, dass beim Casting großer Wert auf Ähnlichkeit gelegt wurde. So kann ich als junger Spund zwar nicht sagen “Das ist Andreas Baader”, kann aber von mir behaupten, dass er ihm ähnlich sieht, wie ich ihn von Bildern kenne. An sich eine sehr gute Leistung des Castingteams, als aber auch von der Maske.
Leider hab mich Martina Gedeck aber ein wenig enttäuscht, da ich ihre Darstellung der Ulrike Meinhof irgendwie sehr theatralisch und nicht gerade überzeugend empfand. Vielleicht lag es auch einfach an ihrer ignorant monotonen Stimmlage im Film. Jedenfalls blieb sie mir in keiner guten Erinnerung.
Was ich wiederum als durchaus fragwürdig empfand, war die Darstellung der Kinder gleich zu Beginn des Films. Ist es rechtlich erlaubt, minderjährige Kinder am FKK Strand vollkommen nackt zu zeigen? Beziehungsweise, ist das wirklich notwendig? Ich empfand da eine gewisse Schamgrenze, die die Darsteller in ein paar Jahren sicherlich auch empfinden werden. Mir geht es jedenfalls so, dass ich heute ungern Kinderbilder von mir sehe, die am Strand aufgenommen wurden und dergleichen.
Auch gab es Mitten im Film einen krassen Wechsel der Farben und der Bildkomposition, die mich sehr verwundert hat. Wer den Film gesehen hat, wird sich vielleicht an die Szene erinnern.
BKA Chef Horst Herold, gespielt von Bruno Ganz, hat eine Unterhaltung mit Hummersuppe in seinem Büro. Dabei ist der Tisch in der rechten Bildhälfte zu sehen, die Farben sind leicht gräulich entsättigt. Plötzlich springt das Bild um, der Tisch ist auf der linken Bildseite gesetzt und das Bild ist gelblich satt. Irgendwie komisch, was mich aus meinem kompletten Sehfluss gerissen hat und mich irgendwie stutzig hat werden lassen.
Eine interessante Sache am Ende. Die Witwe von Jürgen Ponto, dem Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, hat gegen Constantin Film geklagt, weil die Darstellung ihrer Reaktion im Film nicht der Realität entsprachen. Wenn es zu keiner Einigung kommt, kann es dazu führen, dass Constantin sämtliche Kinokopien abziehen muss und die besagte Szene entfernen oder ändern muss. Und derzeitig sprechen wir hier von 124 Kopien in ganz Deutschland. Nicht gerade billig und auch aufwendig.
Jedenfalls ist der Film für einen Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert und hat auch noch Chancen als Bester Ausländischer Film für den Oscar nominiert zu werden. Mal sehen, wie weit er kommt.
Die Konkurrenz ist jedenfalls recht groß. Er tritt gegen “Waltz of Bashir” und “Gomorrah” an.